{"id":22,"date":"2009-06-14T19:43:47","date_gmt":"2009-06-14T18:43:47","guid":{"rendered":"http:\/\/orgelimstephansdom.at\/?page_id=22"},"modified":"2017-12-27T06:55:25","modified_gmt":"2017-12-27T05:55:25","slug":"warum-diese-orgel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/orgelimstephansdom.at\/?page_id=22","title":{"rendered":"Warum?"},"content":{"rendered":"<p>&#8212;&#8212;&#8211; Original-Nachricht &#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nDatum: Thu, 16 Dec 2010 06:03:23 +0100<br \/>\nVon: Markus Kauffmann<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Scotti-Planyavsky!<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr Ihr sehr ausf\u00fchrliches Schreiben und f\u00fcr Ihr Engagement in<br \/>\nSachen Stephansorgel.<\/p>\n<p>Gerne liefere ich Ihnen die Argumente, die allerdings f\u00fcr eine<br \/>\noriginalgetreue Wiederherstellung der Riesenorgel pl\u00e4dieren. Leider<br \/>\nexistiert die Orgelbaufirma Kauffmann nicht mehr, und ich selbst bin<br \/>\nkein Orgelbauer, sodass es keine &#8222;Kauffmann-Orgel der zweiten<br \/>\nGeneration&#8220; geben kann.<\/p>\n<p>Und hier meine Argumente:<br \/>\n1. Heute sind Wert und Berechtigung romantischer Orgeln wieder st\u00e4rker<br \/>\nins Bewusstsein gekommen. In neuester Zeit geht der Trend sogar dahin,<br \/>\nbei General\u00fcberholungen von &#8222;barockisierten&#8220; Orgeln des 19. und fr\u00fchen<br \/>\n20. Jahrhunderts diese wieder in den Originalzustand zur\u00fcckzuf\u00fchren.<br \/>\nAuch experimentiert man vermehrt mit einer Art &#8222;Universalorgel&#8220;, die<br \/>\nf\u00fcr alle Arten und Stile von Orgelliteratur bestm\u00f6glich geeignet sein<br \/>\nsoll. Das ist allerdings nur bei gr\u00f6\u00dferen Orgeln m\u00f6glich. Der Dom zu<br \/>\nSt. Stephan hat ein solches Instrument, nutzt es aber nicht.<\/p>\n<p>2. Die Riesenorgel von meinem Vater, Johann M. Kauffmann, im Dom zu<br \/>\nSt. Stephan ist die gr\u00f6\u00dfte Orgel, die jemals in \u00d6sterreich errichtet<br \/>\nwurde und bis heute das gr\u00f6\u00dfte Musikinstrument der Republik. Schon<br \/>\nallein dies hat Denkmalcharakter.<\/p>\n<p>3. Der deutsche Staat hatte sich wesentlich an den Kosten beteiligt,<br \/>\ndie Pfeifen und der Spieltisch wurden von deutschen Orgelfirmen<br \/>\n(Laukhuff, Giesecke, Meisinger) geliefert. Somit ist die Orgel ein<br \/>\nZeugnis der Vers\u00f6hnung der beiden Nachbarn nach der Nazi-Zeit.<\/p>\n<p>4. Mit ihren 125 klingenden Registern (Pfeifenreihen\/Klangfarben)<br \/>\nk\u00f6nnte jede Orgelliteratur an dieser Orgel \u2013 von Renaissance bis<br \/>\nzeitgen\u00f6ssisch \u2013 gespielt werden. Mit den zus\u00e4tzlichen Koppeln, freien<br \/>\nRegistraturen, Crescendowalze usw. ist das Spektrum der Klangfarben,<br \/>\ndie ein Organist erzielen kann, praktisch unbegrenzt.<\/p>\n<p>5. Die Riesenorgel ist europaweit eines der letzten Beispiele des<br \/>\nromantisch\u2013expressionistischen Orgelbaus, die noch existieren! Nicht<br \/>\nzuletzt ist sie eine der letzten Riesenorgeln der Welt.<\/p>\n<p>6. Die innere Bauweise der Orgel verr\u00e4t gr\u00f6\u00dfte Sorgfalt des Erbauers!<br \/>\nDie Leitungsverlegungen und Steuer\u2013Schnittstellen sind gut durchdacht<br \/>\nund sehr sorgf\u00e4ltig ausgef\u00fchrt. Das Pfeifenwerk ist von hervorragender<br \/>\nQualit\u00e4t in Material und Verarbeitung. Instrumente dieser Bauart sind<br \/>\nrar, in dieser Gr\u00f6\u00dfe Rarissima. Ihr Erhalt ist auch f\u00fcr die<br \/>\nnachkommenden Generationen wichtig und lehrreich.<\/p>\n<p>7. Der vom Dombaumeister Architekt Kurt St\u00f6gerer gemeinsam mit dem<br \/>\nOrgelbauer entwickelte Prospekt stellt lt. Prof. Karl Sch\u00fctz (em.<br \/>\nProf. f\u00fcr Orgelkunde an der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und Darstellende<br \/>\nKunst Wien) den sch\u00f6nsten Freiprospekt (= ohne Geh\u00e4use) Europas dar.<br \/>\nEr f\u00fcgt sich sowohl kontrapunktisch als auch harmonisch in die<br \/>\ngotischen Gew\u00f6lbe der Empore ein.<\/p>\n<p>8. Die Orgel steht unter Denkmalschutz. Die zust\u00e4ndige Abteilung des<br \/>\nBundesdenkmalamtes pl\u00e4diert f\u00fcr den Erhalt der Orgel. Die Orgel ist<br \/>\nein Symbol f\u00fcr den Abschluss des Wiederaufbaus des Domes und somit<br \/>\nStimme ganz Nachkriegs\u2013\u00d6sterreichs.<\/p>\n<p>9. Die gesamte Orgel m\u00fcsste eigentlich schon lange routinem\u00e4\u00dfig<br \/>\ngereinigt und gewartet werden. Das sollte bei jedem derartigen<br \/>\nInstrument ohnehin etwa alle zehn bis 20 Jahre erfolgen.<\/p>\n<p>10. Weitere Verbesserungen im Klang w\u00fcrden durch akustische Klangkeile<br \/>\nund kleine Reflexionsplatten erzielt werden, mit denen die Aussprache<br \/>\nder Pfeifen nach vorne geleitet, alle horizontal ausl\u00f6schenden<br \/>\nInnenreflexionen aufgehoben und die Klangenergie nach au\u00dfen abgeleitet<br \/>\nwerden k\u00f6nnten und dabei von vorne vollkommen unsichtbar blieben.<\/p>\n<p>Die wichtigste und aufw\u00e4ndigste Ma\u00dfnahme w\u00e4re die komplette<br \/>\n\u00dcberarbeitung der Intonation. Und eine der wenigen Riesenorgeln, die<br \/>\ndie Welt noch besitzt, w\u00e4re gerettet!<\/p>\n<p>Sie sehen, dass ich \u00fcberhaupt nicht GEGEN jemanden oder etwas k\u00e4mpfe,<br \/>\nsondern lediglich F\u00dcR den Erhalt eines grossen kulturellen,<br \/>\nk\u00fcnstlerischen, musikalischen und finanziellen Wertes!<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nMarkus Kauffmann<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff9900;\">19.12.2010\u00a0\u00a0 ~bp~<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Vertrauen k\u00fcnftiger Stifter kann, glaube ich, nicht gesichtslos entstehen.<\/p>\n<p>Daraus erw\u00e4chst mir: Welchen Orgelbauer oder welche Orgelbauer m\u00f6chten Sie also dann idealerweise mit den Arbeiten beauftragen? Welche Organisten m\u00f6chten Sie von der die Orgel dann bespielenden Berufsgruppe zuziehen zur den Arbeitsgespr\u00e4chen?<\/p>\n<p><!--[if gte mso 10]>\n<mce:style><!   \/* Style Definitions *\/  table.MsoNormalTable \t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\"; \tmso-tstyle-rowband-size:0; \tmso-tstyle-colband-size:0; \tmso-style-noshow:yes; \tmso-style-parent:\"\"; \tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; \tmso-para-margin:0cm; \tmso-para-margin-bottom:.0001pt; \tmso-pagination:widow-orphan; \tfont-size:10.0pt; \tfont-family:\"Times New Roman\"; \tmso-ansi-language:#0400; \tmso-fareast-language:#0400; \tmso-bidi-language:#0400;}  ><\/div>\n\n\n\n\n<div  mce_tmp=\"1\"><! 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Ich denke, Freude am ICH und seinem DU, das ist die Welt, ist der tiefste Gottesdienst; und h\u00f6chste Lebensweisheit und Fr\u00f6mmigkeit.<\/li>\n\n\n\t\n\n<li>Unsere Eltern und Gro\u00dfeltern und Urgro\u00dfeltern und deren Vorfahren \u2013 aus ihren H\u00e4nden kommt uns, was wir heute sind. Es ist auch ihre Ehre, die wir hier erneuern und einschlie\u00dfen, in den Moment, der unserer eben ist.<\/li>\n\n\n<\/ >\n\nOriginal-Nachricht\nDatum: Thu, 16 Dec 2010 06:03:23 +0100\nVon: Markus Kauffmann &lt;markuskauffmann@snafu.de&gt;\nAn: \"Brigitte Scotti-Planyavsky\" &lt;Brigitte.Scotti-Planyavsky@gmx.net&gt;\nBetreff: Re: Ehrensache -\n\nSehr geehrte Frau Scotti-Planyavsky!\n\nDanke f\u00fcr Ihr sehr ausf\u00fchrliches Schreiben und f\u00fcr Ihr Engagement in\nSachen Stephansorgel.\n\nGerne liefere ich Ihnen die Argumente, die allerdings f\u00fcr eine\noriginalgetreue Wiederherstellung der Riesenorgel pl\u00e4dieren. Leider\nexistiert die Orgelbaufirma Kauffmann nicht mehr, und ich selbst bin\nkein Orgelbauer, sodass es keine \"Kauffmann-Orgel der zweiten\nGeneration\" geben kann.\n\nUnd hier meine Argumente:\n1. Heute sind Wert und Berechtigung romantischer Orgeln wieder st\u00e4rker\nins Bewusstsein gekommen. In neuester Zeit geht der Trend sogar dahin,\nbei General\u00fcberholungen von \"barockisierten\" Orgeln des 19. und fr\u00fchen\n20. Jahrhunderts diese wieder in den Originalzustand zur\u00fcckzuf\u00fchren.\nAuch experimentiert man vermehrt mit einer Art \"Universalorgel\", die\nf\u00fcr alle Arten und Stile von Orgelliteratur bestm\u00f6glich geeignet sein\nsoll. Das ist allerdings nur bei gr\u00f6\u00dferen Orgeln m\u00f6glich. Der Dom zu\nSt. Stephan hat ein solches Instrument, nutzt es aber nicht.\n\n2. Die Riesenorgel von meinem Vater, Johann M. Kauffmann, im Dom zu\nSt. Stephan ist die gr\u00f6\u00dfte Orgel, die jemals in \u00d6sterreich errichtet\nwurde und bis heute das gr\u00f6\u00dfte Musikinstrument der Republik. Schon\nallein dies hat Denkmalcharakter.\n\n3. Der deutsche Staat hatte sich wesentlich an den Kosten beteiligt,\ndie Pfeifen und der Spieltisch wurden von deutschen Orgelfirmen\n(Laukhuff, Giesecke, Meisinger) geliefert. Somit ist die Orgel ein\nZeugnis der Vers\u00f6hnung der beiden Nachbarn nach der Nazi-Zeit.\n\n4. Mit ihren 125 klingenden Registern (Pfeifenreihen\/Klangfarben)\nk\u00f6nnte jede Orgelliteratur an dieser Orgel \u2013 von Renaissance bis\nzeitgen\u00f6ssisch \u2013 gespielt werden. Mit den zus\u00e4tzlichen Koppeln, freien\nRegistraturen, Crescendowalze usw. ist das Spektrum der Klangfarben,\ndie ein Organist erzielen kann, praktisch unbegrenzt.\n\n5. Die Riesenorgel ist europaweit eines der letzten Beispiele des\nromantisch\u2013expressionistischen Orgelbaus, die noch existieren! Nicht\nzuletzt ist sie eine der letzten Riesenorgeln der Welt.\n\n6. Die innere Bauweise der Orgel verr\u00e4t gr\u00f6\u00dfte Sorgfalt des Erbauers!\nDie Leitungsverlegungen und Steuer\u2013Schnittstellen sind gut durchdacht\nund sehr sorgf\u00e4ltig ausgef\u00fchrt. Das Pfeifenwerk ist von hervorragender\nQualit\u00e4t in Material und Verarbeitung. Instrumente dieser Bauart sind\nrar, in dieser Gr\u00f6\u00dfe Rarissima. Ihr Erhalt ist auch f\u00fcr die\nnachkommenden Generationen wichtig und lehrreich.\n\n7. Der vom Dombaumeister Architekt Kurt St\u00f6gerer gemeinsam mit dem\nOrgelbauer entwickelte Prospekt stellt lt. Prof. Karl Sch\u00fctz (em.\nProf. f\u00fcr Orgelkunde an der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und Darstellende\nKunst Wien) den sch\u00f6nsten Freiprospekt (= ohne Geh\u00e4use) Europas dar.\nEr f\u00fcgt sich sowohl kontrapunktisch als auch harmonisch in die\ngotischen Gew\u00f6lbe der Empore ein.\n\n8. Die Orgel steht unter Denkmalschutz. Die zust\u00e4ndige Abteilung des\nBundesdenkmalamtes pl\u00e4diert f\u00fcr den Erhalt der Orgel. Die Orgel ist\nein Symbol f\u00fcr den Abschluss des Wiederaufbaus des Domes und somit\nStimme ganz Nachkriegs\u2013\u00d6sterreichs.\n\n9. Die gesamte Orgel m\u00fcsste eigentlich schon lange routinem\u00e4\u00dfig\ngereinigt und gewartet werden. Das sollte bei jedem derartigen\nInstrument ohnehin etwa alle zehn bis 20 Jahre erfolgen.\n\n10. Weitere Verbesserungen im Klang w\u00fcrden durch akustische Klangkeile\nund kleine Reflexionsplatten erzielt werden, mit denen die Aussprache\nder Pfeifen nach vorne geleitet, alle horizontal ausl\u00f6schenden\nInnenreflexionen aufgehoben und die Klangenergie nach au\u00dfen abgeleitet\nwerden k\u00f6nnten und dabei von vorne vollkommen unsichtbar blieben.\n\nDie wichtigste und aufw\u00e4ndigste Ma\u00dfnahme w\u00e4re die komplette\n\u00dcberarbeitung der Intonation. 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